Virtuelle Schönheits-Operationen
14. April 2009 von perfektman
Kategorie Schönheitsoperationen und Medien
Es gibt eine Brustvergrößerungs-OP, die läuft komplett ohne Silikon ab. Und es gibt Zahnbleeching und Fettabsaugung, ohne dass Schmerzen auftreten, Spritzen gesetzt werden müssen oder Narkosen nötig sind.
Plastische Chirurgie kann komplett unblutig ablaufen.
Wo es das gibt? Im Internet.
Das Ganze nennt sich digitale Bildbearbeitung und wird von professionellen Bildbearbeitern mit Software-Programmen wie beispielsweise dem bekannten Photoshop durchgeführt.
Was man alltäglich auf seiner TV Programm Zeitschrift auf dem Cover sieht, ist das Produkt einer retuschierten Bildbearbeitung. Glaube ja nicht, Heidi Klums Augen glänzen immer so. Oder Madonna hat auch privat zu Hause diesen Wahnsinns-Lidstrich.
Perfekte Menschen mit perfekten Körpern werden noch perfekter gemacht. Warum, weiß so recht keiner. Braucht das die Durchschnittshausfrau denn wirklich? Nachdem alle Kids zum Kindergarten und in die Schule entlassen wurden, widmet sie sich zwei Maschinen Buntwäsche, staubsaugt schnell mal durch, geht einkaufen und sieht dann auf der frisch gekauften TV Programmzeitschrift oder einer der unterhaltsamen 1,80 Euro Frauenzeitschriften diesen überperfekten Körper in einem Hauch von Bikini. Und da soll man nicht depressiv werden? Manchmal frage ich mich wirklich, was die Medien mit diesen falschen, aufgehübschten Hochglanzbildern bezwecken wollen. Gibt es da eigentlich eine Studie zu? So etwas wie prozentualer Anstieg von Schönheits-OPs in kausaler Abhängigkeit von digital nachbearbeiteten Cover-Fotos? Steigt die Zahl der verkauften blauen Kontaktlinsen sprunghaft an, nachdem ein Photo von Cameron Diaz mit stahlblauen Augen zu sehen war, wie sie gerade mit perfektem Body dem Meer entspringt, das Surfbrett lässig unter den Arm geklemmt?
Die Kunst ist es bei diesen bearbeiteten Photos eh, alles so echt wie möglich aussehen zu lassen. Alle würden empört aufschreien, wenn man es auf den ersten Blick erkennen würde, dass da mit Photoshop gepimpt wurde. Nein, es muss alles trotzdem irgendwie „original” aussehen. Was garantiert nicht leicht ist. Da wird ein wenig an dem unschönen kleinen, fast nicht wahrnehmbaren Hüftpolster retuschiert, Arme werden straffer gezaubert. Zähne werden über Nacht weißer, Brüste fester und größer, Haare goldener. Bauchdecken werden mit kaum wahrnehmbaren, aber dennoch beneidenswerten Sixpack-Bauchmuskeln ausgestattet. Bei den Herren darfs ruhig auch mal Richtung Davidoff Cool Water Model gehen.
Oftmals reicht eine virtuelle Veränderung des Lichts: Haut erscheint gleichmäßiger und brauner, die Farben insgesamt satter, der Anblick wird (scheinbar) attraktiver.
Es ist also häufig eine wirklich diffizile Angelegenheit, genau die richtige Mischung aus Glamour, Attraktivität und Sexyness zu treffen, ohne dass das Betrachterauge den Schwindel gleich entlarvt. Es soll lediglich der unterbewußte Eindruck von „perfekter Körper” in Kombination mit einem „das will ich auch” vermittelt werden, wenn der Betrachter in der Bahnhofsvorhalle beim Zeitungsshop stehenbleibt und sich die ausgelegten Zeitschriften anguckt. Und zum Kauf anregen, denn schließlich müssen wir ja erfahren, wie diese bekannte Person zu ihren Traummassen und -formen gekommen ist.

