Keloid, das rote Gold!

Body Modification Teil I
brandingFür die einen ist es ein Versuch, sich der eigenen Freiheit bewusst zu werden, stellt kunstvolle Verschönerung des Körpers oder Sinnlichkeitsmaximierung dar, für die anderen ist es einfach nur hässlich, krank und unverständlich: Die Rede ist von dem aufkommenden Trend der Body Modification.
Deutsche Eltern haben sich ja bereits schon länger daran gewöhnen müssen, dass ihre elfjährigen Töchter ein Bauchnabelpiercing oder ein Totenkopftribal auf der Schulter haben wollen, weil das in der Klasse 5b auch alle anderen haben. Nachdem man sich als Vormund dann in der Regel beim Hausarzt intensiv über Risiken und Nebenwirkungen informiert hat, wird der kindliche Vorschlag meistens abgeschmettert und gewartet, bis die Kleine endlich 18 und somit alt genug ist, um selbst zu entscheiden. Doch es geht auch einige Spuren härter, denn mit seinem Körper kann man noch viel mehr anfangen, als die Tätowierung oder das Piercen:
Herausstanzen, dehnen, einbrennen, vernarben, implantieren, wegschneiden, stauchen, spalten, einritzen…
Alles jenseits der wüstesten Träume deutscher Eltern. Body Modification ist der ultimative und maximal böseste Alptraum jeder Mutter und jeden Vaters, doch dieser Subtrend der Jugend macht sich nun, aus Amerika kommend, auch in Mitteleuropa breit.
Branding, Scarification, Cutting und Implanting sind die neuen Schlagworte der Hölle, eine Parallele zur Geistesgestörtheit schwingt hierbei ganz subtil mit. Doch sollte man sich der Spitze des Körperkulteisberges objektiv annähren.
Das Branding erklärt sich prinzipiell ganz von selbst, metallene Schablonen werden erhitzt und in die Haut eingebrannt und wunderschönes Ergebnis dieser Prozedur ist eine rote Narbenwulst, die von Brandingfachleuten und Medizinern liebevoll „Keloid” benannt wird. Es drängt sich die Analogie zur Rinderkennzeichnung im Wilden Westen auf…
Ornamente, eigene Muster oder Schriftzüge, alles ist möglich, der Phantasie sind KEINERLEI Grenzen gesetzt.
Scarification bezeichnet ebenfalls das blumenschöne Ergebnis einer Narbenbildung, die allerdings durch Schnitte mit einem Skalpell oder Rasiermesser angelegt werden. Oftmals werden auch ganze Hautstücke entfernt, um endlich das begehrte „Keloid” zu erlangen.
Cutting ist eine modifizierte Version des Scarifizierens, denn beim Einritzen in die Haut wird zusätzlich noch Farbe in die Wunde gegeben, um dem „Keloid” eine noch auffälligere Note zu verleihen.
Implanting hingegen ist eine weitaus eigenartigere Methode der „Verschönerung” des eigenen Körpers, die durch das Implantieren von Silikongegenständen unter die Haut erreicht werden soll. Effekt sind häufig wunderschöne Pyramiden über den Augenbrauen oder teufelsgleiche Hörner auf der Stirn.
So bizarr sich dergestaltige Eingriffe auch anhören, historisch sind solche Phänomene nicht unbekannt. In vielen „primitiven” Naturvölkern ist die Modifizierung des eigenen Körpers auch heute noch fester Bestandteil der Sozialisation ihrer Mitglieder. So wird zum Beispiel durch die künstliche Vergrößerung der Lippen oder Ohren die Stammeszugehörigkeit deutlich gemacht. Eingeritzte und vernarbte Symbole zeugen von großer innerer Spiritualität und festem religiösen Glauben. Bei westlichen Zivilisationsmitgliedern wirken solche Rituale allerdings eher befremdlich und provokativ. Festzuhalten bleibt im ersten Teil der Body Modification- Reihe aber zumindest, dass der deutschen Elternschaft auch in Zukunft nichts erspart bleiben wird.
To be continued…

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