Ein Streifzug durch die Kulturen
2. März 2006 von perfektman
Kategorie Schönheit um jeden Preis
Dekadenz des Westens?
Sind Schönheitsoperationen ein Symptom des Westens?
Wie steht um die weltweiten Verbreitung von schönheitsoptimierenden Eingriffen? Bislang ist hauptsächlich der Westen Opfer dieser Praktiken geworden, die USA und Europa liegen ganz vorne im Rennen um straffe Brüste, faltenfreie Gesichter oder fettarme Bäuche.
Aber warum und wo verbreitet sich dieser Schönheitswahn, durch Medien permanent gepusht, durch Prominente alltäglich vorgelebt? Sind die Ursachen dafür in der hohen Kaufkraft des Westens zu suchen? Würden Entwicklungsländer einen gleichartigen Boom der kosmetischen Chirurgie erleben, wenn ihre finanzielle und technische Mittel dies zuließen? Oder handelt es sich um eine bloße Mischung aus Dekadenz, Konkurrenz und Geld? Oder hat es gar mit unserer Kultur und unserem Selbstverständnis zu tun, dass wir unseren Körper weniger gut mit seinen Schwächen akzeptieren können, als es in anderen Kulturkreisen offenbar möglich ist?
Zunächst bleibt festzuhalten, dass der Körperkult in allen Kulturen verankert ist, in jeder noch so kleinen Gemeinschaft ist Körperschmuck, Tätowierung oder extreme Veränderungen, wie Narben am eigenen Körper an der Tagesordnung. Vor allem junge Frauen versuchen dadurch, ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt anzuheben und die Konkurrenz auszustechen.
Lediglich die Schönheitsideale sind interkulturell unterschiedlich und dieses Phänomen ist auch auf zeitlicher Ebene zu finden. Waren in Europa die Schönheitsideale vor 200 Jahren noch eher auf füllige Menschen angelegt, ist jetzt das genaue Gegenteil der Fall. Dünn ist schön… ?
Brasilien bildet ein Paradebeispiel dafür, dass sich der Schönheitswahn nicht nur auf westliche Industriestaaten beschränkt, da die Brasilianer dank ihres fröhlichen und ausgelassenen Gemüts ihrem Aussehen eine große Bedeutung zumessen. Brasilien hat die weltweit höchste Dichte von Schönheitsoperationen, 207 von 100000 Menschen unterziehen sich diesen Eingriffen. Die USA folgen mit 185 von 100000. (Im Vergleich dazu: Deutschland mit derzeit nur 40 von 100000).
Obwohl der Iran, der Statistik folgend, die jährlich meisten Nasenoperationen vorzuweisen hat, ist die eigentliche schönheitsoptimierende Operation im Islam verboten. Ausnahmen gibt es glücklicherweise nach Unfällen, Amputationen oder Krankheiten. Diese Verbote gelten allerdings nicht für muslimische Ärzte, die ihre westlichen Patienten mit Werbeangeboten locken, ein Urlaub mit Vollpension, Swimmingpool, Kamelreiten und Nasen- OP. Dubai ist in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel für den all- inclusive Urlaub für bessere Schichten.
In Zeiten der expandierenden Globalisierung ist mit einem enormen Anstieg der kosmetischen Eingriffe zu rechnen, Medien und Prominente tragen dazu brav ihren Teil bei. Auch wenn zahlreiche Naturvölker ihre Körper ebenfalls auf ihre eigene und interessante Art schmücken, ist doch zu erkennen, dass die zum Glück noch teilweise unzivilisierten Völker mit ihren Körpern deutlich zufriedener sind und zudem keinen Zugriff auf die kosmetische Chirurgie haben. Hoffentlich ändert sich das auch nicht, denn es ist schön zu wissen, dass es noch Menschen gibt, die sich auf wichtigere Dinge konzentrieren und nicht nur darauf, beim Dinner im Nobelrestaurant größere Brüste vorweisen zu können, als die Tischnachbarin.







